Hoher Besuch in Jordanien

„Der Papst kommt nach Jordanien, der Papst kommt nach Jordanien!“. Ob wir Freunde besuchten, beim Gemuesestand um den Preis eines Korbes Aepfel faelschten oder in der Schlange standen, um Brot einzukaufen – es schien, als gebe es nur ein Thema in Jordanien – der Papst kommt. Und dabei war es egal, ob es Christen oder Moslems waren – jeder fragte uns, ob wir nicht besonders aufgeregt waeren, weil wir ja schliesslich auch deutsch waeren... Hatte Angst um einen In-Ohnmacht-Fallen-Masseneffekt-wenn –„ER“- erscheint! Bevor er in Madaba ankam, wurde das Tote Meer abgeriegelt, es war niemandem moeglich, irgendwo schwimmen zu gehen.


Ich kann euch so schlecht in Worten wiedergeben, wie sehr die Menschen letzte Woche in Ehrfurcht verfallen sind, als der Papst ankam. Ich war gerade auf einem Besuch und konnte so seine Ankunft in Amman im Fernsehen beobachten. Die Meisten von euch kennen seine Auftritte: jeder Bischof kuesst ihm die Hand, er winkt laechelnd in die Menge und sitzt, nachdem jeder Jordanier in Reichweite versucht hat, ihn auf seinem Weg nach vorne in die Kirche zu beruehren, stundenlang auf einem Stuhl, waehrend unzaehlige Bischoefe ihre Reden halten. Unzaehlige Kameras sind auf den 82-jaehrigen Pontifex gerichtet, die Reporter interpretieren jede Haltung, die er einnimmt.


 Und dann kommt der Moment, auf den alle warten: der Papst haelt seine Rede! Besonders hier in Jordanien waren alle gespannt, was er sagen wuerde. Seine Worte haben grosse Bedeutung, besonders nach seinem frueheren Zitieren eines mittelalterlichen Werkes, das den Propheten Mohammed als boese und unmenschlich bezeichnet. Zwar hatte der Papst bereits vor „seinem ersten Besuch eines arabischen Landes“ sein Bedauern ausgedrueckt, was den Anhaengern des politischen Fluegels der Muslimbrueder in Jordanien (Islamische-Aktions-Front) aber laengst nicht reichte. Er sei ihnen noch einmal eine Entschuldigung hier in Jordanien schuldig; sie warnten im Vorfeld der Papstreise wiederholt, er sei hier nicht willkommen... Ich bin froh, in einem der liberaleren arabischen Laendern zu sein, denn Jordaniens Regime duldete noch nicht einmal Proteste wahrend des Aufenthaltes Benedikt XVI – sehr klug, denn es haette unter Umstaenden ausarten koennen. Wie ich waehrend des Gaza-Konfliktes sehen konnte, ist ein Protestmarsch in Jordanien nicht zu vergleichen mit Einem in Deutschland.

 


Der Papst schien waehrend seines Aufenthaltes sehr vorsichtig. Nicht nur mir kam es so vor, als haette er Angst, irgendeinen Fehler zu machen. Er drueckte seinen tiefen Respekt vor der muslimischen Welt aus und ehrte Koenig Abdallah dafuer, dass er „sich dafür einsetzt, dass die vom Islam gelehrten Tugenden besser verstanden werden."
Der Papst besuchte die Hussein bin Talal Moschee in Amman, wirkte dabei laut einer Zeitung „resigniert“. Ich glaube, er befand sich in einem Zwiespalt, einen Standpunkt zu beziehen und auf der anderen Seite fuer Frieden einzutreten, den er hier mit klaren Worten gewiss nicht heraufbeschwoert haette!


Manche westliche Zeitungen verurteilten sein Auftreten: „... nichts ist von der Schärfe zu spüren, mit der der Intellektuelle Joseph Ratzinger an der Sache orientiert und dem Argument verpflichtet, politische und diplomatische Folgen außer Acht lassend, seine Theologie und die Position seiner Kirche immer wieder vertreten hat. Wo ist die Lust am Diskurs geblieben? Etwa der über die fundamentalen Unterschiede zwischen Judentum, Christentum und Islam. Über die Zusammenhänge von Gewalt und Gottesbild. Über die Frage, welche Religion möglicherweise allein Heil bringt und weshalb. Doch der Papst unterlässt das Hinterfragen, vermeidet alles Kritische.“


Ich musste grinsen, als ich von einem Franziskanermoench las, der auf dem Berg Nebo lebt, den der Papst auch besuchte. „Bruder Hartwig“ forderte klare Worte usw. Ich bin mir sicher, dass es der gleiche Moench ist, der unbedingt mit uns diskutieren wollte, als wir vor 3 Monaten auf dem Berg Nebo waren. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie er aufgeregt gestikulierend und ohne Unterbrechung redend den Reportern seinen Standpunkt darstellte...


Haette „Baba“, wie sie ihn hier nennen, nur ansatzweise etwas gegen den Islam als Lehre gesagt, haette er das Land aus Selbstschutz sehr schnell verlassen muessen und den Christen hier grosse Probleme beschwert. Also ich will nicht in seiner Haut stecken...

19.5.09 10:35

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Jürgen (20.5.09 08:45)
jetz wird auch noch bolitisch. is ja kaum zu glauben .
bleib dran.
Dawn und Jürgen


Claudia (25.5.09 11:59)
hmmm... *grübel*

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