Multi-Kulti-Stadt

Ich geniesse Jerusalem soooo sehr, dass ich gar keinen Bock habe, euch einen Blog zu schreiben... Schande ueber mein Haupt!

Ich komme gerade von einer Tanz-Session auf der Strasse wieder. Bin mit Mohammed (Patient), seinem Dad und Akram  auf die Ben-Jehuda-Strasse: da tanzt nachts der Baer! Ein Violinspieler direkt neben einer Gruppe Breakdancer, ein juedischer Saenger (Prediger?hab kein Wort verstanden...) neben einer trommelspielenden, verrueckt durch die Gegend tanzenden und sich besaufenden Hippiegruppe - bei der wir letzendlich stecken geblieben sind. Haette nie gedacht, dass Abu Mohammed so aus sich raus gehen kann..hihi... das wird mein Lieblingsvideo!

Falls ihr vor ein paar Tagen was von Unruhen hier gehoert habt - is schon wieder vorbei. Die orthodoxen und die nicht-orthodoxen Juden haben sich bei ner Demo gekloppt, das war alles. Ich dachte schon, was weiss ich waer passiert, weil ploetzlich die Strassen abgeriegelt wurden, mehrere Helikopter ueber Jerusaelm flogen und uns nicht mehr erlaubt war, aus dem Haus zu gehen... Die Demo hat - jaaaaaaa, ich bin mitten im Geschehen - direkt neben unserem Haus stattgefunden. DAS allerdings haben wir erst im Internet rausfinden koennen - wir konnten ja net auf die Strasse.

Ich "habe vor", euch morgen mal mehr zu schreiben. Ne, keine Kultur-Blogs... denn immer, wenn ich auf dem Weg zu ner Sehenswuerdigkeit bin, bleibe ich irgendwie in einem der arabischen Geschaefte haengen, teetrinkend und mit Heimweh nach Jordanien... hach... Genug geschwallt!

Guts Naechtle!

Eure Schw.esther

 

PS: Im Grunde habe ich euch jetzt gar nix ueber "Multi-Kulti" hier erzaehlt...aber wie gesagt: morgen! ich habs vor!

3 Kommentare 11.6.09 22:02, kommentieren

Aaaaaaahhhhhhhhhhh

Ich bin kurz nach Mitternacht in Israel angekommen, der Uebergang an der Grenze hat super geklappt, viel besser als letztes Mal (ok, Koffer wurden wieder mal durchsucht, aber das ist wohl ne Art Tradition bei mir!?) .

Ich haette nicht gedacht, dass es mir sooo schwer fallen wuerde, Jordanien zu verlassen! Meine Guete...

Das Sreening war wieder einmal sehr intensiv, aber Gott sei Dank ist von den 30 Kindern "nur" Eines nicht operabel. 

Und jetzt gehe ich mal schlafen... Der Rest folgt...

2 Kommentare 4.6.09 09:35, kommentieren

Abreise!!!!! :(

Mein letzter Abend in Karak. Ich hab eben schon zu Mela gesagt: ich hab das Gefuehl, ich wuerd nur ne Reise antreten und bald komm ich schon wieder in den Chaoshaufen und haenge die Bilder alle wieder auf, die ich grad abgehaengt habe...

Will ja keinen auf hochdramatisch machen, aber meine Guete, ich weiss, das mir die erste Zeit in Deutschland schwer fallen wird.

Ihr bekommt noch Blogs von mir bis zu meiner Ankunft  in 3 Wochen, die ihr schon sehnsuechtigst erwartet... (klar?) Aber heute schaffe ich es einfach nicht mehr, einen zu schreiben. Ich muss noch packen, es ist gleich 1 Uhr nachts und ich will auch noch die letzte Nacht auf dem Dach geniessen!

Morgen gehts ab nach Amman (voraussichtlich, ihr wisst schon...) , wo 35 neue Familien ankommen -  freu mich voll auf die. Am Dienstag dann ein Screening (siehe Eintrag von letztem Oktober - Ueberschrift was mit "Duplowaeschekorb"...) - diesmal darf ich dem Onkel Doc assistieren, jipiehhh!

In den letzten Tagen ist viel passiert - ich koennte allein davon einen Roman schreiben... Aber ihr bekommt noch alles - und wenn ich Blogs nachtraeglich in Deutschland schreiben muss! Will euch ja nicht die "Aufklaerung ueber die fremden Welt" vorenthalten...

Ich melde mich hoechstwahrscheinlich erst Mittwoch oder Donnerstag wieder, wenn ich schon in Israel bin. Wie gut, dass ich mit dem Team ueber die Grenze marschiere - dann kann ich jedem von denen ne Extra-Tasche von mir in die Hand druecken (wo kommen nur all die Klamotten her?).

Ich darf 20 + 5 kg mit ins Flugzeug nehmen - und habe... 65 kg! Hmm...

So, bin dann ma weg! Schlaft weiter...

Eure Esther

 

1 Kommentar 29.5.09 23:54, kommentieren

Schweye, schweye!

Jordanien hat sich wieder in den Backofen verwandelt, der mich hier vor 11 Monaten empfing. Es ist 23 Uhr und 26 Grad – bei euch?


Letzte Woche  haben Ghadeer und ich die Hauspatronen zwecks ein paar „mal weg von Kindern und Arbeit und entspannen“-Tage aus dem Haus gekickt. Gekickt ist gut – die aus dem Haus zu kriegen ist wie Richard Gere die Rolle des Paten spielen lassen zu wollen (=es passt nicht!bis die wirklich ma weg sind, das dauert...)! Kinder haben in der Zeit beschlossen, das Weltende nicht heraufzubeschwoeren, also in der Hinsicht alles in Butter.


Erinnert ihr euch noch an das eine Maedel, das trotz vieler Bewerber nicht heiraten konnte, weil die Mutter sie unbedingt an einen Verwandten verheiraten wollte, die aber alle bereits verheiratet waren? Tja, dieses Maedel heiratet in einem Monat! Freut euch nicht frueh  - sie wird die Zweit-Frau ihres Cousins! Hauptsache, ihre Ma hat, was sie wollte, nicht wahr?

 


So, und nun einen kurzen Abstecher in den Norden und in die Polizeiarbeit Jordaniens: Letzten Sonntag haben 2 Jordanier, 1 Ami und ich beschlossen, mal was fuer unsere kulturelle Bildung zu tun: Wir fuhren nach Jerash. Eine Stadt, die in der Antike „Gerasa“ hiess und unter der roemischen Herrschaft einen schnellen Aufstieg erlebte – und die Roemer konnten es natuerlich net lassen, ihre Baukunst in allen moeglichen Formen unter Beweis zu stellen. Gut fuer uns, denn Vieles ist noch ganz gut erhalten: ein Theater mit 5000 Plaetzen in 32 Baenken, ein Marktplatz, mehrere Tempel, ein Triumphbogen fuer Kaiser Soundso und diese typischen Saeulen halt ueberall (Wir konnten es natuerlich nicht lassen, darauf zu klettern und Statue zu spielen...).  
Gerasa wurde im 1.Jahrhundert als Handelsstadt so beruehmt, dass es sogar dem aelteren Petra Konkurrenz machte. Ihre Einwohner gewannen Erz in den nahen Adschlun-Bergen (Danke, Wikipedia).
So, mehr Geschichte gibt’s dann auch net heute.
Gerasa – bei Einigen von euch klickt es da bestimmt, denn ja! – hier heisst es, soll Jesus Menschen, die in Grabhoehlen lebten, von Daemonen befreit haben (Brueder und Schwestern, heute schlagen wir das Wort auf in Mk.5,1 / Lk.8,26).


Hach, was waere schon ein Ausflug, der reibungslos verlaeuft?Langweilig! Der besagte Ami hat ne Schnecke in Amerika. Er will sie heiraten. Will unbedingt nen Verlobungsring in Amman kaufen. Trotz ihrer Beteuerungen, ein gefaketer Ring reiche vollkommen aus, kauft er ihr einen 700-Dollar-Ring. 11 Diamanten. Ich sah da keinen Unterschied zu nem 1-Euro-Ring, aber ich will ja auch net – und viele Leute wuerden mir dafuer danken – nicht ins Juweliergeschaeft einsteigen...
Von Amman aus gings nach Jerash. Ich wiederhole mich, aber ich muss euch nochma zeigen, wie gut man hier leben kann: 45 Minuten Busfahrt – in Deutschland 15 Euro, in Jordanien... 65 Cent.

In Jerash angekommen, empfing uns eine Hitze sondersgleichen – 14 Uhr, 30 Grad und schwuel. Dank der Info, dass das eine Touristenstation ist, liefen wir (und ich hab es soooo genossen!) in T-Shirts rum. Das Fehlen von Sonnencreme machte uns mit dem Gedanken warm („warm“ – verstanden?), dass wir abends indianeraehnlich zurueckkehren wuerden. 
 

Mir gefaellt Jerash. Auf den Saeulen konnte ich Statue, auf der Maximo-Strasse Roemerin und in den Tempeln Priesterin spielen – was will ich mehr?


Zurueck zum Ami: Sein Ring befand sich in seiner Hosentasche, damit er ihn nach eigenen Aussagen immer bei sich hatte und fuehlen konnte, ob er noch da ist. Rucksack, fuer den wir plaedierten, waere zu unsicher. Nu gut. Um’s kurz zu machen: Daniel, der Ami, wollte oben auf ner Treppe posieren. Musste raufklettern. Ring in der Tasche zu unbequem. Was tun? Jo, raus tun und auf nen Stein legen. Hochklettern, posieren, runterklettern, weitergehen. Eine halbe Stunde spaeter bemerken, dass man den Ring vergessen hat. Zurueckrennen. Ring nicht da! Rest der Gruppe ueberzeugen, dass das kein Scherz ist (was nicht einfach wahr, Schande ueber uns!). Nach der verplemperten Zeit sahen uns die anderen Touris wie Spuerhunde rumlaufen. Nach 10 Minuten traf ich einen Polizisten. Dummerweise war ich mit Daniel allein und musste so, um dem nur-arabisch-sprechenden-Mann unsere Situation zu erklaeren, die Szene nachspielen, um ihm zu verklickern, was unser Problem ist. Wir blieben an der Stelle stecken, wo ich Daniel imitierte, wie er den Ring weglegte und die Treppe hochstieg – also so ziemlich am Anfang. Zum Glueck kam Ghadeer hinzu und ergaenzte meine Schauspielkuenste mit arabischen Ausfuehrungen.


Polizeiliche Arbeit ist in Jordanien mit einem Wort zu beschreiben: Schweye.


Schweye = langsam, gemuetlich.


Stellt euch mal so ne Situation in Deutschland vor: Ein 700-Dollar-Ring geht auf einem Touristenplatz verloren – da wuerde doch sofort die Eingangssecurity angerufen und alle herausgehenden Touris (und sooo viele sind das in Jerash echt net gewesen, das haetten 2 Mann locker geschafft!) abgecheckt werden. Oder? Daniel meinte, in Amerika wuerde solch eine Anlage direkt geschlossen, so dass keiner mehr raus koennte... Und was macht unser Polizist Ali? Ruft irgendeinen anderen Polizisten an, um die Vorgehensweise zu klaeren, weiss nicht so recht, was er machen soll und beschliesst nach 10 Minuten, uns zu einer Polizeistation zu bringen, damit alles protokolliert werden kann, was passiert ist! Nicht im Entferntesten etwas in der Richtung wie „Ok, wir suchen jetzt mal die Gegend ab“... Also haben wir beschlossen, das selbst in die Hand zu nehmen. Essa und ich zum Eingang, die anderen beiden brav zur Polizeistation mitgedackelt. Am Eingang faellt denen nichts anderes ein, als uns zu erklaeren, wir sollten doch bitte die Polizisten fragen, die in der Anlage rumliefen (wie z.B. Ali), die koennten uns doch vielleicht weiterhelfen... Uns war klar, dass der Ring gestohlen worden war und der glueckliche Finder in der letzten halben Stunde bereits froehlich den Ausgang passiert hatte.


Im Eingangsbereich befinden sich natuerlich viele Souvenirshops. Ich klapperte die Verkaeufern ab, um ihnen klar zu machen, dass, falls jemand sowas von ehrlich waere, den Ring bei ihnen abzugeben oder sie eine gruene Schachtel in der Hand eines potentiellen Kunden sehen wuerden, sie ihn ueberwaeltigen und die Schachtel am Eingang abgeben sollten (dabei habe ich nicht geschauspielt, keine Bange). Waehrenddessen sahen unsere Telefonate zwischen Eingang und Polizeistation ungefaehr so aus: „Hey, was Neues?“ „Nein, die lassen sich ordentlich Zeit hier. Trinken erstmal nen Tee. Und bei euch?“ „Noe, auch nix Neues. Hey, sehe hier grad tolle Ohrringe im Geschaeft! Oh, sorry, is grad nicht angebracht, oder? Ok, ich mach ma meine Runde weiter...“  (Gedanklich: Meine Guete, die Ohrringe sind echt toll!).


Nachdem ich die Geschaefte abgeklappert hatte, blieb mir ja nix anderes uebrig als warten! Also nutzte ich die Zeit, in der Daniel um seinen Verlobungsring, fuer den er zusaetzlich zu seinem Job ½ Jahr bei Starbucks geackert hatte, bangte, um Souvenirs zu kaufen: Tuecher, Ohrringe etc. pp. – wie soll man da wiederstehen, wenn ein huebscher Jordanier einem sagt, dass man die schoensten Augen der Welt haette und dass es eigentlich nicht normal fuer ihn waere, einem Touri-Maedel so etwas zu sagen, aber sie seien ja sowas von schoen!? Nebenbei erwaehnte er zwischendurch, dass der Schal, den ich grad in den Haenden hielte, leider teurer als woanders sei, da er auf besonderen Umwegen ins Geschaeft gekommen sei.... Aber er staende mir sooo gut – und wuerde meine Augen soooo sehr betonen... Wie soll ich da bitteschoen wiederstehen, he?

Muss fairerweise dazusagen, dass er mich, nachdem ihm das Geld fuer dern Schal sicher war, mit in sein anderes Geschaeft schleppte, wo ich mir Schmuck umsonst aussuchen konnte (Dank sei dem Schoepfer meiner Augen, hehe). Normalerweise bieten die Jordanier ihre Ware zwar oft umsonst an – selbst im Supermarkt sagen die schonmal : „Das geht aufs Haus!“ - , aber es ist allen klar, dass dem nicht so ist, weil das lediglich eine der 52.347 Hoeflichkeitsfloskeln hier ist. In diesem Falle aber nahm er tatsaechlich kein Geld – Wunder gibts...
 

Zurueck. Die anderen kamen von der Polizeistation – frustriert, desinteressiert, was meinen Schal anging und Daniel so langsam ueber den Schock des Berges hinweg, dass sein Ring – angenommen, der glueckliche Finder ist ein Einheimischer – moeglicherweise nun 1/2Jahr eine Familie ernaehren wird. Wir wurden alle in eine weitere Polizeistation gefuehrt  - und was wurde uns erstmal angeboten? Ein schnelles Verfahren und 1,2,3 – los geht die Suche? Noe - Tee und Kaffee, schweye, schweye. Erstnal relaxt zusammensitzen und dann der Reihe nach erzaehlen, was ueberhaupt passiert ist... Wurscht, dass wir das bereits auf der anderen Station gemacht hatten! Wir waren uns nicht sicher, ob wir das furchtbar nervig oder einfach nur witzig finden sollten.

Die folgende Stunde verlief ungefaehr so (Ghadeer uebersetzte jeweils): „ Wann haben die den Ring aus der Tasche genommen?“ „Um 15 Uhr.“ „Wie lang haben sie Photos geschossen?“ „ 3 Minuten.“ „ Wieso haben sie den Ring nicht mitgenommen danach?“ „...“ „Wann waren sie auf der Polizeistation?“ „...“ . Bei der Haelfte der Fragen haben wir uns einfach nur angeschaut und innerlich Kopfe geschuettelt, warum uns so sinnlose Fragen gestellt werden, wenn erstmal was getan werden koennte! Aber wir entschieden uns letzendlich doch fuer Option Nr. 2, den Humor. Was solls, Ring wuerde eh nicht wiederkommen!

Es war die reinste Show: Alle 10 Minuten kam ein anderer Polizist herein und fing an, uns zu befragen. Holte sich nen Zettel vom Tisch schreib irgendwas darauf: mal unsere Namen, mal die Uhrzeiten des Geschehens, mal dies und das.

Uns war nicht mehr klar, wer eigentlich hier das Sagen hatte und wer sich im Endeffekt um irgendetwas kuemmern wuerde von den mittlweile 15 Protokollanten. Das Raetsel loste sich, als ein Typ am Tisch anfing, Englisch zu sprechen (wenn ich sage, dass es nicht gut war, untertreibe ich) - ploetzlich fuellte sich der Raum mit Polizisten, die ganz gespannt und stolz ihren Chef anschauten, der sich mit erhobenem Haupt wehrte, wieder ins Arabische ueberzugehen, was uns ca.1 Stunde gespart haette!

Ich haette sooo gerne was gesagt – es lag mir dermassen auf der Zunge.Aber zum Glueck bin ich mit kommender und wieder gehender Weisheit gesegnet, die mir sagte, dass ich nicht die besten Karten haette, etwas Positives beizutragen, wenn ich einen Araber anpflaumen wuerde. Nebenbei sass ich als (Punkt 1) Frau mit (Punkt 2) halbnacktem Oberkoerper (ihr wuerdet das noch als zugeknoepft bezeichnen) unwissentlich auf einem (Punkt 3) Gebetsteppich eines der Polizisten, den er dann zwischen seinen Befragungen nahm, ausrollte und seine Gebete direkt vor uns auf der Strasse verrichtet. Also hielt ich den Mund und versank in meinen Zwiespalt, ob ich hier bleiben und dadurch meine Anteilnahme zeigen oder nochmal zu dem einen Geschaeft gehen sollte, um nun doch noch ein paar Ketten umsonst mitgehen zu lassen, die mir angeboten worden waren (vielleicht sollte ich an dieser Stelle nochma betonen, warum...), die ich aber aus reiner Hoeflichkeit abgelehnt hatte, worueber ich mich nun aergerte... Die noblere und weniger geizigere Variante gewann noch graaaade so...


Ende vom Lied: Wir beendeten unseren Auftritt in dem Musical „Ali und die 15 Protokollanten“ so spaet (19 Uhr), dass wir keinen Bus mehr nach Amman bekamen. Ein Privattyp auf der Strasse bot uns an, uns zu fahren. Faelschten um den Preis und quetschen uns dann zu sechst in einen PKW – 1 Stunde, 12Euro. Waehrend wir auf Dirk warteten, der uns in Amman abholen wollte (Danke nochma, wir wissen, dass du dafuer einen Familienabend hergegeben musstest!), rief die Polizei uns noch maehrmals an. Wie Daniel nochma geschrieben wuerde, sie koennten seinen Namen nicht im Computer finden... Ob er illegal da waere? Nein? Ok, bitte buchstabieren. Wie? D-A- ... T-A ?

 


Lektion: Auch gefakete Ringe machen es.

 

 


NUR NOCH 10 TAGE!!!!!


Meine Guete, ich kanns nicht glauben!
Dann ist mein Jahr im Land der Kamele und der Beduinen schon vorbei! Ich fuehle mich schon dermassen zu Hause, dass ich es z.B. gestern einfach net gecheckt habe, als die Jugend eine Ueberraschungsparty zum Abschied machte, dass ich die das letzte mal sehen wuerde! Haben eine fette Platte beim Becker bestellt, eine herzzerreissende Rede gehalten und mir u.a. das typische Kopftuch der Beduinen geschenkt. Habe mich doch tatsaechlich hinreissen lassen, wirklich – fuer mich wirklich wirklich – warme Worte fuer sie zu finden... Ein Chaotenhaufen, der mir echt ans Herz gewachsen ist. Heute brachte eine Nachbarin 2 Topefe mit diesen mit-Reis-gefuellten-Weinblettern fuer mich zum Abschied rueber. Das wird wohl die naechsten Tage noch so weitergehen. Irgendwie schon komisch.


In den naechsten 3 Tagen werde ich auch noch einmal viele Familien besuchen - und Samstag gehts dann ab nach Amman, wo wir wieder ein Screening haben werden mit neuen Patienten. Von da aus reise ich mit dem Shevet-Team aus Israel ins gelobte Land und verbringe dort meine letzten 2 Wochen im Nahen Osten.
Zum Glueck wird mir der Abschied dadurch leichter gemacht, dass die Chaotenfamily hier mit mir nach Deutschland fliegen wird, um dort ihren Heimataufenthalt zu machen.


Vollgeknallte 3 Wochen, auf die ich mich freue, liegen vor mir! Werde in Deutschland erstmal 2 Tage nur schlafen, glaub ich...

(ICH WILL NOCH NICHT WEG!)

Bis bald (koenntet ihr bitte Hoeflichkeitsfloskeln einueben a la "du wirst immer meine Schwester und in meinem Herzen sein, solange unser Planet die Sonne umrundet"? Dann bekomme ich nicht den puren Kulturschock. Danke.) !

Eure Schw.esther

1 Kommentar 24.5.09 23:09, kommentieren

Hoher Besuch in Jordanien

„Der Papst kommt nach Jordanien, der Papst kommt nach Jordanien!“. Ob wir Freunde besuchten, beim Gemuesestand um den Preis eines Korbes Aepfel faelschten oder in der Schlange standen, um Brot einzukaufen – es schien, als gebe es nur ein Thema in Jordanien – der Papst kommt. Und dabei war es egal, ob es Christen oder Moslems waren – jeder fragte uns, ob wir nicht besonders aufgeregt waeren, weil wir ja schliesslich auch deutsch waeren... Hatte Angst um einen In-Ohnmacht-Fallen-Masseneffekt-wenn –„ER“- erscheint! Bevor er in Madaba ankam, wurde das Tote Meer abgeriegelt, es war niemandem moeglich, irgendwo schwimmen zu gehen.


Ich kann euch so schlecht in Worten wiedergeben, wie sehr die Menschen letzte Woche in Ehrfurcht verfallen sind, als der Papst ankam. Ich war gerade auf einem Besuch und konnte so seine Ankunft in Amman im Fernsehen beobachten. Die Meisten von euch kennen seine Auftritte: jeder Bischof kuesst ihm die Hand, er winkt laechelnd in die Menge und sitzt, nachdem jeder Jordanier in Reichweite versucht hat, ihn auf seinem Weg nach vorne in die Kirche zu beruehren, stundenlang auf einem Stuhl, waehrend unzaehlige Bischoefe ihre Reden halten. Unzaehlige Kameras sind auf den 82-jaehrigen Pontifex gerichtet, die Reporter interpretieren jede Haltung, die er einnimmt.


 Und dann kommt der Moment, auf den alle warten: der Papst haelt seine Rede! Besonders hier in Jordanien waren alle gespannt, was er sagen wuerde. Seine Worte haben grosse Bedeutung, besonders nach seinem frueheren Zitieren eines mittelalterlichen Werkes, das den Propheten Mohammed als boese und unmenschlich bezeichnet. Zwar hatte der Papst bereits vor „seinem ersten Besuch eines arabischen Landes“ sein Bedauern ausgedrueckt, was den Anhaengern des politischen Fluegels der Muslimbrueder in Jordanien (Islamische-Aktions-Front) aber laengst nicht reichte. Er sei ihnen noch einmal eine Entschuldigung hier in Jordanien schuldig; sie warnten im Vorfeld der Papstreise wiederholt, er sei hier nicht willkommen... Ich bin froh, in einem der liberaleren arabischen Laendern zu sein, denn Jordaniens Regime duldete noch nicht einmal Proteste wahrend des Aufenthaltes Benedikt XVI – sehr klug, denn es haette unter Umstaenden ausarten koennen. Wie ich waehrend des Gaza-Konfliktes sehen konnte, ist ein Protestmarsch in Jordanien nicht zu vergleichen mit Einem in Deutschland.

 


Der Papst schien waehrend seines Aufenthaltes sehr vorsichtig. Nicht nur mir kam es so vor, als haette er Angst, irgendeinen Fehler zu machen. Er drueckte seinen tiefen Respekt vor der muslimischen Welt aus und ehrte Koenig Abdallah dafuer, dass er „sich dafür einsetzt, dass die vom Islam gelehrten Tugenden besser verstanden werden."
Der Papst besuchte die Hussein bin Talal Moschee in Amman, wirkte dabei laut einer Zeitung „resigniert“. Ich glaube, er befand sich in einem Zwiespalt, einen Standpunkt zu beziehen und auf der anderen Seite fuer Frieden einzutreten, den er hier mit klaren Worten gewiss nicht heraufbeschwoert haette!


Manche westliche Zeitungen verurteilten sein Auftreten: „... nichts ist von der Schärfe zu spüren, mit der der Intellektuelle Joseph Ratzinger an der Sache orientiert und dem Argument verpflichtet, politische und diplomatische Folgen außer Acht lassend, seine Theologie und die Position seiner Kirche immer wieder vertreten hat. Wo ist die Lust am Diskurs geblieben? Etwa der über die fundamentalen Unterschiede zwischen Judentum, Christentum und Islam. Über die Zusammenhänge von Gewalt und Gottesbild. Über die Frage, welche Religion möglicherweise allein Heil bringt und weshalb. Doch der Papst unterlässt das Hinterfragen, vermeidet alles Kritische.“


Ich musste grinsen, als ich von einem Franziskanermoench las, der auf dem Berg Nebo lebt, den der Papst auch besuchte. „Bruder Hartwig“ forderte klare Worte usw. Ich bin mir sicher, dass es der gleiche Moench ist, der unbedingt mit uns diskutieren wollte, als wir vor 3 Monaten auf dem Berg Nebo waren. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie er aufgeregt gestikulierend und ohne Unterbrechung redend den Reportern seinen Standpunkt darstellte...


Haette „Baba“, wie sie ihn hier nennen, nur ansatzweise etwas gegen den Islam als Lehre gesagt, haette er das Land aus Selbstschutz sehr schnell verlassen muessen und den Christen hier grosse Probleme beschwert. Also ich will nicht in seiner Haut stecken...

3 Kommentare 19.5.09 10:35, kommentieren

"Adi"

Wenn mal einer von euch den Orient pur erleben moechte, dann kann ich euch nur eines raten: setzt euch in irgendeinen Bus hier und fahrt sonstwohin – es wird so oder so ein Abenteuer werden...

 

Zuerst einmal...

 

...gibt es gar keine Bushaltestellen in Jordanien. Willst du irgendwohin, stellst du dich an die Hauptstrasse deines Ortes und wartest. Ok, es gibt natuerlich einen Anfangs- und Zielort des Busses, da koennte man noch sagen: Jede Linie hat 2 offizielle Haltestellen. Aber das zaehlt irgendwie nicht, finde ich.
In Thanije, dem Nebenort von Karak, in dem wir wohnen, kommt zwischen 6 und 18 Uhr so ziemlich jede Minute ein Bus – erinnert ihr euch? Die Leute hier leben u.a. von der Infrastruktur. Aber ab 18 Uhr... ist tote Hose – da musste dann laufen oder einen auf Anhalter machen, was bei mir z.B. jetzt net so empfehlenswert waere, um es gelinde auszudruecken...

 

Um einzusteigen, machst du eine Handbewegung, wie wenn wir beschwichtigend „jetzt komm mal runter“ ausdruecken wollten – Handflaeche ausstrecken und in Hueftenhoehe hoch und runter federn. In der offenen Bustuer steht jeweils ein junger Mann, der dich sieht, „Karak!?“ ruft und wenn du nickst, haellt der Bus an und du steigst ein.
Wenn du “irgendwo“ einsteigst, ist der Bus meistens voll, denn... „Adi“:  Ein Bus faehrt an der 1.Haltestelle erst los, wenn er voll ist! Es gibt keine Uhrzeiten fuer eine Abfahrt, nein, es wird losgefahren, wenn er voll ist (da zwischendurch Leute aussteigen, kann er ja auch wieder andere vom Strassenrand aufnehmen)! DAS kann bedeuten, du setzt dich um 5Uhr in einen Bus und wartest, je nachdem, 5 Minuten bis zur Abfahrt oder auch 2 Stunden.

 

Letztens wollten Radeer und ich, nachdem wir uns in Amman unserer heimlichen Sucht namens Original-American-dehalb-teuer-aber-wer-kann-da-schon-widerstehen-Donuts gewidmet hatten, mit dem Bus von Amman nach Karak zurueck. Mit dem Taxi zur Bushaltestelle, wo uns der Bus nach Karak grade vor der Nase wegfuhr (selbst in Amman rennen Frauen nicht, also konnten wir ihm auch net winkend hinterherlaufen). Bepackt mit den ueblichen Tueten, die Frauen nach einem Tag in der grossen Stadt so bei sich haben, stoehnten wir im Chor, denn uns war klar: sooo schnell werden wir hier jetzt nicht loskommen. Denn ihr wisst ja: ein Bus faehrt erst los,wenn... Also wir auf unseren neuen Stoeckelschuhen zu dem einfahrenden naechsten Bus (alter, gaaanz alter Reisebus) gestackelt, wo uns schon der Busfahrer begruesste: „Karak? Ja, steigt schonmal ein; in ner Viertelstunde fahren wir los!“ Wir schauten uns an: „Viertelstunde, alles klar!!“ (Dabei muesst ihr euch jetzt die Bewegung vorstellen, wenn man den rechten Zeigefinger unter das rechte Auge legt und die Traenensaecke etwas nach unten-, waehrend man gleichzeitig die Augenbrauen hoch zieht).

 

17 Uhr stiegen wir ein, 19.10Uhr fuhren wir los.

 

Wisst ihr, hier habt ihr keine andere Wahl, als euch entweder dermassen aufzuregen, dass ihr nur noch mit dem Taxi fahrt – oder es einfach zu geniessen, dass es eben so ist, wie es ist... „Adi“. Ich musste lachen, als ich beim Einsteigen an den fremden Opa an der Siegener Bushaltestelle dachte, der sich fuerchterlich aufregte, dass die Linie R10 erst um 11.02Uhr an der Bushaltestelle einfuhr, obwohl Abfahrt um Punkt 11.00Uhr sei – und ich mir vorstellete, was der gute Mann einen Herzinfakt nach dem anderen hier erleben wuerde (Nebenbei faehrt die R10 alle 10 Minuten dort ab)!

 

Frauen und Maenner durfen nicht nebeneinander sitzen im Bus. Habe ich am Anfang nicht gewusst – koennt euch ja vorstellen, was da bei meiner 1.Busfahrt loswar! „Eib, Eib!“ (Schande). Ich denke gerade darueber nach, ob ich Ehepaare schonmal nebeneinander sitzen hab sehen, aber ich kann mich nicht erinnern. Ich muss jetzt auch sagen: In Westamman gelten etwas lockere Regeln. Ich koennte mir vorstellen, dass dort Mann und Frau nebeneinander sitzen duerfen. Es gibt dort sogar - fuer eine bestimmte Linie - Bushaltestellen! Manchmal steige ich hier in einen Bus und die einzigen freien Plaetze sind neben Maennern. Was tun? Tjo, einfach: in der Regel MUESSEN die Maenner aufstehen, sich auf einen Doppelplatz setzen, wo auch schon ein Mann sitzt – und ich hab dann 2 Plaetze fuer mich, hehe... Ooooder: Bist du nicht dreist genug und guckst die Maenner, die keine Anstalten machen, fuer dich aufzustehen, nicht auffordernd an (das wirkt! Denn sooo oft werden die von uns ja jetzt net angeguckt), dann musst du dir einen Doppelplatz mit 2 weiteren Frauen teilen. Die dann – hier auf’m Land – aufgeregt sind, weil sie neben einer modernen westlichen Frau sitzen oder, und das sind eher die Juengeren unter ihnen, sofort klarstellen, ob du verheiratet bist und ihnen evtl. nen Mann wegschnappen koenntest. Kann ja zum Glueck so tun, als wuerde ich sie nicht verstehen... Will doch nicht vom Zweiersitz geschubst werden...

 

Radeer und ich sitzen also im Bus und bringen uns gegenseitig Arabisch und Deutsch bei – und beschliessen, wie gut es ist, dass der Bus erst vieeeel spaeter losfahren wird, weil wir dann mal ordentlich Zeit haben, die neuen Woerter zu lernen und aufzuschreiben... Definitiv sind wir am Lautesten von allen Anwesenden, was fuer andere „Eib“ waere, aber Radeer zum Glueck nichts ausmacht. Pikiert ist sie erst ein wenig, als ich meine neue Schminke raushole – also sich-Schminken im Bus, das waere jetzt doch nicht so „Adi“ (=normal) hier...  was soll’s, ich bin „Ashnabije“ (Auslaender), ich darf das... hehe!

 

Und waehrend nach und nach die letzten Araber von ihrer Schicht kommen und einsteigen, faengt es auch schon an: Wir tauchen immer mehr in die Welt des Zigarettenqualmes ein. Was tun waehrend der Wartezeit – und was ist schoen relaxend (euch is klar, ich rede hier von den Maennern! Sollte sich ma ne Frau wagen, im Bus zu rauchen...)? Ooh ja, eine schoene Zigarette - wurscht, dass die letzte vor 2 Minuten aufgeraucht wurde... Und das faengt in der 1.Minute des Wartens im Bus an und steigert sich, dass dir schnell klar wird, dass du deine Klamotten morgen unmoeglich nochmal anziehen kannst. Nicht zu erwaehnen, dass die Wand jedes Busses hier mit einem fetten „Nicht Rauchen“- Schild verziert ist...

 

Waehrend dieAraber also leise miteinander reden, ihren Lieben zu Hause Bescheid sagen, dass sie spaeter kommen werden und relaxt eine nach der anderen anzuenden und wir somit noch vor Abfahrt in einer Wolke a la „holt die Nebelscheinwerfer raus“ versinken, kommt ein vielleicht 8-jaehriger Junge mit einem Tablett in den Bus und ruft: „Tee! Tee! Wer moechte Tee?“. Er laeuft durch den Gang und wieder zurueck, verkauft hier und da einen Tee (fuer 10 Cen)t und steigt aus, um in den nachsten 2 Stunden alle 20 Minuten wieder auf der Bildflaeche zu erscheinen und die gleiche Prozedur durchzufuehren.
Ich beschliesse, dass ich dieses Land in dieser Hinsicht liebe – wo sonst in meinem Leben gingen die Menschen sowas von relaxt mit solch einer Warte-Situation um? Deutschland? Neee, wohl eher net...

 

Nachdem der Busfahrer bereits alle Virtel Stunde 10m vor- und zurueckgefahren ist, um anzudeuten, dass es „jetzt so grade“ losgeht (damit die Leute schneller zum Bus kommen, Radeer kann mir diese Eigenart auch nicht erklaeren, sagt lediglich grinsend „Adi“ ), faehrt er los – um nach 1 Minute wieder anzuhalten und uns zu erklaeren, wir muessten aussteigen und in einem anderen Bus nach Karak fahren! Nach 2 Stunden Warten! Da beschweren sich selbst die relaxen Araber – zum Glueck hat der gute Mann einen anderen Bus organisiert, der uns nach Karak faehrt, also heisst es lediglich: umsteigen. Radeer vermutet, der Busfahrer haette vermutlich beschlossen, dass es zu spaet fuer ihn heute werden wuerde, wenn er nach Karak und wieder zueueck fahren muesste, also haette er beschlossen, bei seiner Familie in Amman zu bleiben und jemand anderen fahren zu lassen... mal eben so...

 

Endlich sitzen wir dann in einem Bus, der uns – in sha allah, denn nichts ist sicher – nach Karak bringen wird. Ich betrachte die Aussenspiegel de Busses, die - „Adi“ - aus kleinen Autospiegeln bestehen und ich gebe es auf, mich noch einmal zu fragen, wie der gute Mann hinter dem Lenkrad die Strasse mit diesen Spiegeln im Blick haben will. Stattdessen freue ich mich, dass uns heute arabische Musik begleitet (mit der ich schon viel mehr Frieden geschlossen habe als noch vor 1 Jahr) und nicht eine Predigtuebertragung aus einer Moschee, die aus wahnsinnig langen, monotonen Gesaengen besteht.

 

Der Busjunge, der immer rechts neben dem Fahrer sitzt (mit dem er ohne Unterbrechung babbelt, waehrend er den Platz unter dem „Bitte nicht mit dem Fahrer sprechen“-Schild einnimmt), geht durch die Reihe und sammelt das Fahrgeld ein. Eine 1 ½- stuendige Fahrt von Amman nach Karak – was meint ihr, was die kostet?
Nehmt einfach den 10tel des Deutschlandpreises und ihr seid auf der sicheren Seite. 1,50 Euro fuer 1 ½-Stunden Fahrt – ein Witz fuer jeden Westler, aber ein Vermoegen fuer Viele der Arbeiter, die grade im Bus sitzen. Nebenbei: eine Fahrt von hier nach Karak (10 Minuten) kostet 20 Cent, nimmst du ein Taxi, 2 Euro. Ist absolut unverstaendlich fuer die Menschen hier, wenn ich denen sage, dass ein Taxi bei uns mit 2,50 Euro erst ueberhaupt losfaehrt... Aber DAS nuss euch klar sein: seid ihr „Ashnabije“, also Auslaender, wissen die, dass das nicht viel Geld fuer uns ist – und hauen euch vollekanne uebers Ohr und geben euch dabei noch das Gefuehl, ihr koenntet denen dankbar sein fuer den guten Preis! Fragt lieber einen Insassen, wieviel der Bus kostet als den Busjungen. Und wenn ihr es nicht passend habt, schaut nach, wieviel Wechselgeld er euch tatsaechlich wiedergegeben hat. Das geht hier schneller, als du gucken kannst...

 

Zurueck: Es ist ja nun nicht so, dass im Preis nur eine Fahrt von Amman nach Karak enthalten waere... nein, es bietet sich uns fast durchgehend eine orientalische Landschaft, von der ihr nur traeumen koennt, die ihr aus dem Klischees kennt. Jegliches Warten ist vergessen, wenn man im Bus sitzt und nach draussen schaut: Die wuestenaehnlichen Felder erstrecken sich, soweit das Auge gucken kann; hier und da blitzen die Lichter der Beduinenhaeuser auf, die irgendwo da draussen im Nirgendwo stehen. Man faehrt an beleuchteten Obstbuden vorbei, in deren Hintergrund Schafherden gemuetlich in der Abendsonne grasen. Hin und wieder sieht man Beduinen direkt am Strassenrand mit ihren Herden – und sie sitzen da, als wuerden sie da ihr Leben lang sitzen und niemals weggehen – und schauen interessiert, aber nicht aufdringlich, wer so an ihrer stillen Welt vorbeisaust. Mir gefallen besonders die bunten Lampignons, die einmal komplett um Tankstellen und Buden herum aufgehaengt wurden... Ich freue mich, als das Deckenlicht des Busses nach ein paar mal Aufflackern vollendst den Geist aufgibt und man die Landschaft so viel besser erkennen und geniessen kann.

 

Solche Momente gehoeren zu meinen Schoensten hier (und ich vertiefe sie natuerlich noch dank meines mp3-players mit kitschiger Celine-Dion-Musik, hach...)!

 

Ploetzlich haelt der Bus an. Der Busfahrer steigt aus – und bleibt nach meinem Geschmack zu lange weg, um mal eben zu tanken. Ich schaue aus dem Fenster – und werde auf ein Neues der Relaxtheit der Araber gewahr: Sitzt der doch tatsaechlich mit dem Budenbesitzer zusammen und trinkt sich erstmal gemueltich ein Teechen... warum auch nicht? Abgesehen von der schmachtenden Westlerin mit dem mp3-player sind ja alle am Pennen...

 

Und last but not least die Frage: wie gibt man einem Busfahrer Bescheid, dass man aussteigen moechte, wenn keine Druckknoepfe vorhanden sind, die dem Busfahrer das Signal geben: “Ich will aussteigen.“ ?? Ganz einfach: Man klopft mit seinem Ring an die Fensterscheibe. Da unverheiratete Maedels schon mal gar nicht „einfach so“ Bus fahren duerfen (also was anderes als Fahrten zur Schule oder Uni), eruebrigt sich die Frage, ob denn jeder einen Ring besitzt (unverheiratete Maenner koennen ja zur Not ohne Probleme den Busfahrer ansprechen) ! Ich dachte erst: Das hoert der Busfahrer doch nie! Aber Pustekuchen – ob das Macht der Gewohnheit ist oder sie bei ihrer Aufnahmepruefung daraufhin ueberprueft werden, wie nahe ihre Hoerfaehigkeit der eines Luchses kommt, sei dahin gestellt – sie hoeren es. „Klick, klick, klick“ – und der Bus haelt an, trotz ratternder Eigengeraeusche, trotz Moscheegesang aus’m Radio, trotz labernder Menschen und schreiender Kinder.

 

Wir kommen im Stockdunkeln an und muessen noch eine Weile laufen bis zu Kleinlohs Haus. Maedels alleine auf der Strasse im Dunkeln, ohne Vater, Bruder oder Onkel...tststs! Da haelt ein Minibus neben uns: „Hey, bist du nicht das Halaseh-Maedel? Ich kenne deinen Vater, steigt ein, ich fahr euch dahin, wo ihr hinwollt!“ Setze mich verwundert, dass der Typ grade in der Sekunde kam, als ich anfing, mich ueber die Wahl meiner Schuhe zu beklagen, hin und sage Radeer, dass ich diese Busfahrt echt cool und interessant fand. Sie schaut mich an und grinst:

 

„Adi!“

 

2 Kommentare 8.5.09 20:48, kommentieren

Ostern /-woche

Heute werde ich euch ueber eine christliche Tradition hier aufklaeren, die ich beantragen werde, in Deutschland einzufuehren.


Ostern in Jordanien – eine Tradition, die den hoechsten Effekt der Gemeinschaftsbereicherung und auch der allgemeinen koerperlichen Erbauung bewirkt.


Wie ihr schon mitbekommen habt, wird hier jede Feierlichkeit benutzt, um alle Verwandten und Freunde zu besuchen – bei Moslimen und Christen. An Ostern selbst verschenkt man Anisbrot, faehrt zu allen moeglichen Bekannten und gibt es da ab. Oder man erledigt das in der Kirche – witziges Bild: nach dem „Amen“ kramen alle Anisbrot aus ihren Taschen und verschenken es gegenseitig. Haste am Ende genausoviel wie vorher. Hauptsache, man schenkt, is doch schoen...


Nach dem Ostersonntag gibt es einen bestimmten Brauch bei den arabischen Christen: Jeder besucht jeden (das alleine ist ja net ungewoehnlich) und hat dafuer 5 Tage Zeit. Dabei durchlaeuft man bei jedem Besuch eine bestimmte Zeremonie: waehrend den ueblichen Begruessungskuessen auf die Wange (neu fuer mich: Verwandte duerfen auch das andere Geschlecht auf die Wange kuessen, aber hallo) wuenscht man sich gegenseitig ein Wohlbefinden fuer alle Jahre „kull sana enta/ inti bi rer“. Dann kommt der arabische Kaffe – und Osterplaetzchen. Ihr muesst euch vorstellen, dass die arabischen Frauen Unmengen dieser mit Datteln gefuellten Plaetzchen backen, da ja die ganze Horde von Bekannten nach und nach auftauchen wird und es waere sehr peinlich, koennte man die Tradition aufgrund von Plaetzchenmangel nicht beibehalten. 1 Woche lang steht auf jedem Wohnzimmertisch eine Schale mit den gleichen Osterplaetzchen.
Nach 15 Minuten Smalltalk in einem schoen osterlich kitschig geschmuecktem Wohnzimmer gibt es noch ein kaltes Getraenk oder einen tuerkischen Tee. Und waehrend man sich dann zum Abschied noch einmal die besten Segenswuensche in einer Laenge von Forrest Gumps’ Bart wuenscht, bekommt man richtig gute Osterschokolade aus einem Osterkoerbchen von der Frau des Hauses serviert. Und denkt nicht, ihr koenntet irgendetwas ablehnen – das kaeme einer generellen Ablehnung der Gastfreundschaft gleich!


So, und nun denkt euch ma, ihr besucht in der Osterwoche nicht nur 1 Familie pro Tag,sondern direkt 6 oder 7! Und nirgendswo duerft ihr Essen ablehnen! Uuuund zusaetzlich bekommt ihr ja auch noch Osterbesuch in euer eigenes Haus, wo ihr jedesmal als Gastgeber auch ein paar Plaetzchen esst... Kein Land fuer Frau Klum, sag ich nur.
Ja, gute Frage - Wie kann man denn Leute besuchen, wenn gleichzeitig welche vor der eigenen Haustuer stehen? Es ist so: man meldet sich nicht an, zieht einfach los – ist keiner da, gehste zum naechsten Haus von Christen aus deiner Gemeinde. Steht jemand vor deiner Tuer, muss er eben warten oder auch weiterziehen. Man hat ja 5 Tage Zeit und kann morgen nen neuen Versuch starten.


Ich bin mit Ghadeer, einer Freundin aus Karak, losgezogen. Ich lieeeeeeeeeeeebe Osterbesuche - alle gleich und doch verschieden:
Fuhren mit dem Bus zum 1.Haus: Grosses Hallo. Kaffee, Plaetzchen usw. Die 2 kleinen Kinder tuschelten. Es kam raus, dass sie mich wiedererkannten durch den unangenehmen Fakt, dass sie mich einmal beobachtet hatten, wie ich Spiderman streng zusammengewiesen (verwiesen?) hatte. Nachdem ich geklaert hatte, dass es mir leid tat, dass sie das gesehen hatten, aber dass es durchaus angebracht gewesen war, gaben sie die Kill-Bill-Vorstellung von mir auf und holten die Uno-Karten raus, waehrend ihr Dad mir stolz erzehlte, er haette einmal in einer deutschen Firma gearbeitet und ob ich einen Peter Holzmacher kennen wuerde (das machen die staendig: sobald jemand mitkriegt, dass du - neeeein, nicht aus Russland -, sondern aus Deutschland kommst und er vor X-Jahren in einer deutschen Firma in Jordanien gearbeitet haben, geht er davon aus, dass du natuerlich den Ex-Chef Hansi Frohberger aus was-weiss-ich-woher-in-Deutschland kennst) !?


Nachdem wir noch gemeinsam fuer die Bewohner des Hauses gebetet hatten (diese kleine Zusatztradition gefiel Ghadeer und mir), fuhren wir mit dieser Familie dann zu 7t in ihrem 4-Personen-Auto zu AkhKhalet (Bruder Chalet), einem Aeltesten der Gemeinde. Dort fing gerade ein Hauskreis an. Wurscht, wir sind trotzdem geblieben und weil es keine Kinderprogramm gab, die aber rumtobten wie die wildgewordenen Affen, haben Ghadeer und ich spontan das Kinderprogramm uebernommen. An der Stelle, wo’s blutig wurde, habe ich meine Stimme so gesenkt, dass nur die Aelteren in der 1.Reihe was hoeren konnten, sonst haette es noch ein Heulkonzert gegeben -da hilft dann auch keine Auferstehung mehr...


Liessen uns von Pastor Heida mit zum naechsten Haus nehmen und wie das halt vorkommen kann, war die Frau des Hauses, UmJohn, selber auf Osterbesuche. Also bediente uns ihr 7-jaehriger Sohn und das Maedchen-fuer-alles, eine kleine Philippinerin (Beklagte mich innerlich ueber den warnenden Informationsmangel, was die Essensmengen an diesem Tag anging und darueber, dass ich mittags beim Essen ordentlich zugelangt hatte). Kurz darauf erschienen Zwillinge im Alter von vielleicht 19 Jahren. Sie sahen nicht gerade gesund aus, eher total erschoepft, is mir direkt aufgefallen. An dieser Stelle kann ich einen kurzen Exkurs machen, den ich schon laenger mal machen wollte:


Das Taujihi. Eine Abschlusspruefung wie unser Abitur, aber nicht damit zu vergleichen.


Die Jugendlichen muessen 1 Jahr lang Regale voller Buecher auswendig lernen. Ohne das Taujihi kann man nicht studieren, es bedeutet alles fuer die Schueler hier. Nur Wenige schaffen es, es gibt ganze Klassen, die es nicht bestehen.
Deshalb erlauben ihnen ihre Eltern, sobald das Schuljahr der Pruefungen beginnt, nicht mehr, aus dem Haus zu gehen – ein komplettes Jahr lang!! Keine Treffen mit Freunden mehr, selbst die Hoeflichkeitsbesuche fallen weg! Was bedeutet: soziale Kontakte spielen sich fuer 1 Jahr nur innerhalb des Hauses ab. Ihr koennt euch vorstellen, wie man dann eingeht... Ich habe ein Maedchen kennen gelernt, das gerade fuer das Taujihi lernen muss. Normalerweise ist sie bei jeder Veranstaltung dabei, jede Woche. Aber in den letzten 11 Monaten hat sie genau 2mal Ausgang bekommen! Hier is nix mit „Ich bin 19, Mutter, 19, hoerst du?“ Selbst bei den Osterbesuchen war sie nicht dabei, sondern musste weiterlernen – jeden Tag stundenlang.
Die Ergebnisse werden ueber das Internet bekannt gegeben. Da aber gerade hier in Thanye (Stadtteil von Karak) nur Wenige Internet besitzen, kommen dann die verschiedensten Leute ganz aufgeregt zu uns, ob sie mal ans Internet duerften. Und Abends gibt es dann ein riesiges Feuerwerk ueber ganz Karak. Das gefaellt mir persoenlich am Besten bei dem ganzen Traraa.


Nu ja, jetzt wisst ihr ja dann auch, warum die Zwillinge so blass und erschoepft aussahen. Die haben sich auf uns gestuerzt wie die Tiger, so nach dem Motto „Menschen, richtige Menschen!“.


4.Haus hab ich vergessen. Aber dann haben wir ein frisch verheiratetes Ehepaat besucht. Frau –logo- bereits schwanger. Der Mann arbeitet in Maan, dem beruechtigsten Ort in ganz Jordanien (Bin einmal mit Dirk dadurch gefahren, und da meinte er schon, es waere besser, wir wuerden nicht anhalten). Hoechtse Gewaltrate. Erzaehlt mir der Mann, es koennte passieren, wenn man da alleine als Frau ueber die Strasse geht, dass man dann erschossen wird! In Jordanien! Ich war baff (und dachte daran, wie gut es gewesen war, dass ich mein Vorhaben in Maan, Dirk zum Anhalten fuers Chipse-Kaufen zu ueberreden, dann doch net in die Tat umgesetzt hatte)! In diesem kleinen Stadtchen, in dem fast nur Moslems leben, kommt es vor, dass die Ladenbesitzer es dir als Christ verweigern, dir was zu verkaufen. Die Moslems dort finden Koenig Abdallah viel zu liberal und nicht gradlinig. Ich denke, ich streiche Maan von meiner „Stadte, in denen ich mit Freuden leben wuerde“ – Liste.
Nu ja, der Typ arbeitet also da in Maan – und wisst ihr, was ? Der arbeitet fuer ein Projekt, dass die Regierung in ganz Jordanien vor 2 Jahren begonnen hat – Jugendliche koennen ueber mehrere Wochen hin Einblicke in alle Berufsfelder hier bekommen. Und es werden – das ist der Knueller – Jugendzentren aufgebaut! In Jordanien! Als ich das hoerte, geriet ich zum 2.mal in den „Baff“-Zustand. Das ist der absolute Fortschritt! Dass ich noch nichts davon gehoert habe, liegt daran, dass Neues in den arabischen Laendern seeeeeeeeehr langsam angenommen wird (erinnert mich ans Siegerlaendchen - „Dat war immer schon so und dat bleibt auch so!" ) - besonders bei den laendlichen Gegenden, fuer deren gelangweilte Jugend das Projekt ja eigentlich gedacht ist... Erstmal beobachten und Tee trinken, is die Devise der Araber.


Auf der Terasse des letzten Hauses, direkt neben den Frischverheirateten, sassen zufaellig Ghadeers Mutter und Schwester, die auch Osterbesuche gemacht hatten: „Huuhu, Maedels! Hier sind wir!“  - und machten einen Eindruck, als haetten sie schon stundenlang so gesessen... Und womit vertrieb sich die angesammelte Horde dort die Zeit? Mit dem Beobachten des Hauses der Frischverliebten, wer da so zur spaeten Stunde noch Osterbesuche macht – NATUERLICH alles untermalt mit Kommentaren a la „Wer is das denn? Kennst du die?“ „Ja klar, das sind doch ihre Eltern aus XY. Die muesstest du doch von ... her kennen.“ „Ja, du hast recht, jetzt faellts mir auch wieder ein – sie hatte doch letztes Jahr so Probleme mit dem Knie...Blablabla...“ . Ich weiss beim besten Willen net wieso, aber mich ergriff irgendwie ein heimisches Gefuehl...


DAS war nur 1 Tag unserer Osterbesuche. Das Interessante und Schoene ist, dass die sich nen Ast freuen, wenn du sie besuchen kommst und ich durfte mir mehrmals „Du bist immer willkommen – jederzeit! Besuch uns oefters, ja? Du weisst ja jetzt, wo unser Haus steht...“ anhoeren – teilweise von Leuten, die ich vorher noch nie gesehen hatte! In dem Wissen, dass das nie klappen wird wegen mangelnder Zeit, habe ich allen hoeflich zugesagt.


Ende der Tage: gluecklich und vollgestopft. Habe ab den 4.Besuchen immer angefangen, die Plaetzchen und den Suesskram in die Taschen verschwinden zu lassen... wird akzeptiert.

Mir gehts sonst ganz gut – haben gerade mal Strom (was mich auch dazu verleitet, schnell nen Blog zu schreiben) und seit heute wieder Wasser. Letzte Woche war mal wieder nix mit Duschen – also sind wir zum Toten Meer runtergefahren (1 ½ Stunde Autofahrt) und haben da mal ordentlich gebadet und geduscht. Traditionsmaessig wurden mir wieder meine Schuhe geklaut – ich ueberlege, morgen mal in den Secondhandlaeden in Karak danach Ausschau zu halten...


Werd mich jetzt nach draussen begeben und die sommerlich warme und fruehlingshaft duftende Abendluft einsaugen – und ihr? Heizung aufdrehen? Dicken Schlafanzug anziehen?


Eure Schw.esther

2 Kommentare 3.5.09 22:01, kommentieren